+++ Konflikt um den Stausee Kelbra: Nach neuem Betriebsplan fehlt Wasser im See. Stausee wird für Touristen immer unattraktiver +++

Am 01. Juli 2020 fand die aufgrund von Corona-Einschränkungen verschobene und von den AfD-Mitgliedern des Umweltausschusses beantragte öffentliche Anhörung zu den seit 2019 auftretenden und sich offenbar immer weiter forcierenden Unstimmigkeiten zwischen Nutzern, Naturschutz und Umweltministerium am Stausee Kelbra (landkreis Mansfeld-Südharz) statt.

Die AfD hatte dafür eine umfangreiche Liste der Beteiligten eingereicht, die Gehör finden sollten. Leider haben nicht alle Eingeladenen von der Möglichkeit, gehört zu werden, Gebrauch gemacht. Ein paar Stellungnahmen wurden noch nachgereicht. Der AfD-Abgeordnete Andreas Gehlmann, der unweit des Stausees wohnt und die Nöte der Bürger genau kennt, wertet die Anhörung als längst überfällige Maßnahme.

Den betroffenen Bürgern und Betreibern muss Gelegenheit gegeben werden, über die Einschränkungen und Probleme durch den neuen Betriebsplan der Talsperre zu berichten. Alle sind sich einig, dass die Natur geschützt werden muss. Das Hauptproblem am Stausee Kelbra ist jedoch der Umgang mit den Bürgern.

Über die öffentliche Äußerung des Umweltstaatssekretärs Klaus Rehda (Bündnis 90/Die Grünen), der erklärte, dass auch woanders geangelt und gesegelt werden könne, sind die Bürger, die dies seit Jahrzehnten am Stausee tun, völlig zu Recht empört. Ob der nun einberufene und von der Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) als Arbeitsplattform bezeichneter Runde Tisch diesen Erwartungen gerecht wird, wird die AfD-Fraktion weiter im Auge behalten.

Im Kern sollen im Stausee Fische zugunsten von Zugvögeln wie dem Kranich weichen, was durch eine Wasserabsenkung erreicht werden soll. Ein Kranichkompetenzzentrum sei in Planung. „Der Vogelschutz, der seit Jahrzehnten parallel erfolgreich am Standort funktioniert, erhält durch die Natura 2000-Verordnung plötzlich eine höhere Wertigkeit“, sagt die umweltpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion, Lydia Funke. „Es ist mir bereits in anderen Sachfragen aufgefallen, dass im Rahmen der seit dem 01.01.2019 in Kraft getretenen Natura 2000-Verordnung, bestimmte Tierarten anderen Tierarten vorgezogen werden, obwohl sie beispielsweise gleichzeitig auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten stehen und/oder besonders schützenswert sind.

Eine plausible Begründung aus dem Ministerium gibt es bis heute nicht.“ Der bei der Anhörung anwesende Leiter der Staatlichen Vogelwarte konnte einige Kernstreitpunkte erklären und relativieren. Die Sage vom Küken fressenden Hecht, der zu den Kükenverlusten beim Schwarzhalstaucher führen soll, konnte dabei zumindest für den Stausee Kelbra widerlegt werden.

Umso ärgerlicher war die Tatsache, dass die anwesende Leiterin des Landesamtes für Umweltschutz, die Mehrzahl der von der AfD gestellten Fragen zu den Auswirkungen auf einzelne Tierarten überhaupt nicht beantworten konnte oder wollte. Das Fischsterben mit seinen Ursachen und Folgen, was eines der Hauptärgernisse am Stausee ist, wurde durch das Umweltministerium und den Talsperrenbetrieb geleugnet. Eine bekannte Strategie, die auch bei dem bereits über Jahre auftretenden Fischsterben an der Bode angewendet wird. Der durch den Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt veränderte Managementplan des Stausees Kelbra zeigte Mitte Juli bereits erste Auswirkungen. Der geringe Wasserstand wird lediglich mit dem Hinweis auf fehlende Niederschläge begründet.

Trotz vorgezeigten Aktionismus mit mehreren Runden Tischen und Vor-Ort-Terminen durch die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) scheint diese insgesamt an dem Ziel festzuhalten, dass man Segeln und Angeln woanders könne und Kraniche nur an diesem Stausee beobachtet werden können. Die Umweltministerin fand eine Richtigstellung oder gar eine Entschuldigung für die Aussage ihres Parteifreundes und Staatssekretärs für unnötig.

Auch die Antworten der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD- Landtagsabgeordneten, Lydia Funke und Andreas Gehlmann, zu diesem Thema weisen auf keinerlei Kompromissbereitschaft zugunsten der Freizeitaktivitäten hin. Die Landesregierung antwortet dort, dass es einen wasserwirtschaftlichen Ausgleich zu den Verdunstungs- und Versickerungsverlusten nicht geben wird, was zur Folge hat, dass der Wasserstand im Stausee langsam abnimmt. Weiter heißt es wörtlich: „Dies macht Segeln nicht unmöglich, kann aber je nach Witterungssituation mit weniger günstigen Bedingungen verbunden sein.“ „Bei der öffentlichen Anhörung wurde viel von Kompromissen geredet,“ sagt Lydia Funke, „Man erhält hier allerdings den Eindruck, dass die Kompromissbereitschaft nur einseitig gegeben ist, nämlich von Seiten der Angler, Camper und Segler.

In der wirtschaftlich stark schwächelnden Region wäre das Wegbrechen von vielen verschiedenen Attraktionen zugunsten einer einzigen, „Kraniche beobachten“, in keinem Verhältnis stehend.“ Das von der Umweltministerin verfügte Stauregime führt zu sinkenden Wasserständen und macht den Stausee Kelbra für Segler, Wassersportler, Camper, Angler, Badetouristen und Naturliebhaber immer unattraktiver. Die Attraktivität als Erholungsgebiet ist in Gefahr. Ein fischleerer See mit Niedrigwasser kann für die Region Mansfeld-Südharz nicht die Zielsetzung sein.

Fazit: Naturschutz und Tourismus dürfen sich nicht gegenseitig ausgrenzen. Es kann nur miteinander gehen.