Wasserrahmenrichtlinie umsetzen – Bode vor ökologischer Katastrophe bewahren

Pressemitteilung vom 04.01.2019

Das kurze Interview der Interessengemeinschaft Bodelachs beim MDR-Bericht „Mehr Raum für die eigentliche Bode“ vom 01.01.2019 weist wiederholt auf die Missstände bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Sachsen-Anhalt hin. Diese sollte bereits 2015 umgesetzt sein. Jetzt sind 18 Jahre vergangen und wir stehen bei nicht mal 5% Umsetzung. Die IG Bodelachs hat bereits eine Petition im Landtag zum Umweltrecht an der Bode eingereicht, über die es schon viele Diskussionen gab. Zuletzt berichteten wir über die Art und Weise des Umgangs mit dieser Petition durch die Keniakoalition im Umweltausschuss (Siehe unsere öffentliche Stellungnahme vom 07.11.2018 sowie Beschlussempfehlung der AfD-Fraktion im Ausschuss für Umwelt und Energie).

Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion, Lydia Funke: „Dass man die IG und die Menschen in unserem Land hinsichtlich der Umsetzung geltenden Rechts mal wieder für dumm verkauft, ist typisch für die Keniakoalition. Mag ja sein, dass bereits 35 Mio. € und knapp 1.300 Projekte in der ersten Förderphase für das Erreichen eines guten Zustands bzw. eines guten ökologischen Potenzials bis Ende 2015 sowie der schrittweisen Reduzierung der Verschmutzung der Gewässer durch Schadstoffe, ausgegeben wurden. Wenn in einem Koalitionsvertrag die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) 1:1 festgeschrieben steht und sich die Landesregierung weiterhin weigert, entsprechend erarbeitete Gewässerentwicklungskonzepte umzusetzen, dann ist der Koalitionsvertrag das Papier nicht wert, auf dem er steht. Im Übrigen verstoßen Wasserkraftanlagen gegen die Bedingungen, nach denen eine Ausnahme von der WRRL erteilt werden kann (Art. 4 Abs. 7 WRRL). Damit entsprechen Stauhaltungen nicht dem geltenden Umweltrecht, sind lebensfeindlich für die Fischfauna und bereiten ökologische Probleme – Wehre sind oft der Grund für Überschwemmungen. Insgesamt ist festzustellen, dass die Natur weder festgesetzte Fristen noch Grenzen im finanziellen Budget kennt.“

Für Rückfragen steht Ihnen die Pressestelle jederzeit gerne zur Verfügung.

Beschlussempfehlung des Ausschusses für Umwelt und Energie…

…des Landtages von Sachsen-Anhalt zur Petition Nr. 7-U/00029 –

„Umsetzung von Umweltrecht an der Bode“

Der Ausschuss für Umwelt und Energie empfiehlt dem Landtag, folgendes zu beschließen:

Die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie (WRRL) und das Gewässerentwicklungskonzept „Untere Bode“ sind sofort und vollständig umzusetzen.

Die bisher vorhandenen Wehre und Wasserkraftanlagen beeinträchtigen die Umsetzung des Wanderfischprogramms Sachsen-Anhalt und dies, obwohl die Bode das größte ökologische Potenzial für eine Wiederansiedlung von Wanderfischarten (z.B. Lachs) hat. Die Bode wurde zudem als Vorranggewässer für die Schaffung der ökologischen Durchlassfähigkeit ausgewählt.

Daher sollen folgende Fragestellungen besonders betrachtet werden:

  • Welche ökologischen Schäden an der Fischfauna werden durch das jeweilige einzelne Wasserbauwerk im Einzelnen verursacht?
  • Dazu sollen die historischen Bestandsdaten der Fischarten mit dem Istzustand verglichen werden.
  • Zudem ist das Umfeld (Bodengrund und Wasserbereich) der Wasserbauwerke auf Zustand und Besiedlung von anderen Wasserorganismen (z.B. Makrozoobenthos) auf ihren ökologischen Zustand zu untersuchen.
  • Maßnahmen mit sofortigem Minderungspotenzial (z. B. Entschlammung) sind umgehend umzusetzen.
  • Durch welche Salzeinleitungen sowie Brauchwasserentnahmen und -einleitungen wird die Bode in ihrer ökologischen Systemstabilität belastet?
  • Dafür sollen die vorhandenen Messwerte zu Wassertemperaturen und Salzgehalt in der Bode – auch im Hinblick auf die damit verbunden ökologischen Belastungen der Bode –  umgehend bewertet und alle Maßnahmen ergriffen werden, die dementsprechend ein sofortiges Minderungspotenzial erzielen können.
  • Eine entsprechendes monatliches Mortalitäts-Monitoring von Fischen an den vorhandenen Bode-Wehren und Wasserkraftanlagen soll umgehend eingerichtet werden.
  • Dabei sollen die Erkenntnisse einer zusätzlichen Belastung der Bode, die sich aus der extremen Trockenheit des Sommers 2018 ergeben, ebenfalls umgehend aufgearbeitet und bewertet werden.
  • Welche weiteren Belastungen des Ökosystems Bode durch Neophyten und Neozoa für die ökologische Bewertung relevant sind?

Welche invasiven Arten sind bisher im und am Gewässer bekannt und welchen Einfluss üben sie auf das Ökosystem aus?